Wissenswertes zu Stadttauben
Verwilderte Haustiere mit angezüchtetem Brutzwang
Was viele Menschen nicht wissen: Stadttauben sind keine Wildtiere, sondern verwilderte Brief-, Haus- und Zuchttauben sowie deren Nachkommen (Tieräztliche Hochschule Hannover, 1995/1996).
Deshalb brüten Stadttauben im Gegensatz zu Wildtauben (Ringeltauben, Türkentauben) dem menschlichen Zuchtziel entsprechend ganzjährig, und zwar unabhängig vom Nahrungsangebot!
Fütterungsverbote und Vergrämung
Ein bloßes Fütterungsverbot kann das Problem einer zuchtbedingten Überpopulation deshalb nicht lösen, sondern führt nur zu einem Aushungern und einer Verelendung der Tiere.
Zudem wird der Stadttaubenbestand Jahr für Jahr durch erschöpft gestrandete Brieftauben und "entsorgte" Tauben aus geschlossenen Züchterschlägen vermehrt.
Auch reine Vergrämungsmaßnahmen (Netze, Spikes, etc.) stellen keine Lösung, sondern nur eine höchst kostenintensive Verlagerung des Problems dar und bergen eine erhebliche Verletzungsgefahr für Tauben und andere Vögel.
Augsburger Modell
Als unfreiwillig verwildert lebende Haustiere sind Stadttauben, die vormals vom Menschen in Taubenschlägen gezüchtet wurden, auf die Versorgung durch den Menschen angewiesen - so wie auch Straßenhunde!
Und genau an diesem Punkt setzt das ebenso nachhaltige wie tierschutzgerechte Konzept zur Regulierung des Stadttaubenbestands, das bereits in einer Vielzahl von Städten erfolgreich angewandte sog. Augsburger Modell, an:
Die ursprünglich aus Taubenschlägen stammenden Stadttauben werden (wieder) in Taubenschlägen mit artgerechtem Futter und Wasser versorgt, wo zur Bestandsregulierung die Gelege gegen Attrappen ausgetauscht werden.
Eiertausch
Beim Eiertausch werden die Eier innerhalb der ersten 7 Tage nach dem Legen gegen Atrappen aus Plastik oder Gips ausgetauscht. So wird tierschutzgerecht verhindert, dass neue Küken schlüpfen.
Die Tauben bleiben dann noch 2 - 4 Wochen auf den unechten Eiern sitzen, statt direkt neue zu legen.
Wenn es sich um einen wilden Brutplatz z.B. auf einem Balkon handelt, wird das Nest danach meist aufgegeben. Dann kann das Nest entfernt und der Ort sicher verschlossen werden, damit die Tauben nicht wieder zurückkehren.
Einzelne Eiatrappen können wir nach Absprache bereitstellen, dafür bitte per E-Mail, Instagram oder WhatsApp mit uns Kontakt aufnehmen und ein Foto der brütenden Tauben schicken! Fragen zu Taubennestern beantworten wir dort auch gerne.
Wichtig: Eiertausch ist nur bei Stadttauben erlaubt (siehe Stadttaube oder Wildtaube?). Das Entfernen von Nestern mit echten Eiern ist grundsätzlich verboten!
Stadttaube oder Wildtaube?
Wie kann ich eine Stadttaube von einer Wildtaube unterscheiden? Das ist z.B. relevant, wenn ein Taubennest entdeckt wurde, da nur bei Stadttauben die Eier gegen Attrappen getauscht werden dürfen.
In Deutschland gibt es vor allem Ringel- und Türkentauben als Vertreterinnen der Wildtauben, mancherorts auch Hohltauben. Zur Unterscheidung hat der NABU eine hilfreiche Grafik erstellt:
Wichtig zu beachten ist, dass Stadttauben in den verschiedensten Farben vorkommen, hier ist die typische Felsentaubenfärbung abgebildet, von der die domestizierte Taube abstammt. Es gibt aber auch schwarze, braune, weiße, ... Stadttauben.
Wusstest Du schon, dass...?
- Stadttauben reine Körnerfresser sind?
- es auf der ganzen Welt insgesamt über 300 verschiedene Wildtaubenarten gibt?
- Stadttauben von den Felsentauben abstammen und eins der ersten Haustiere waren?
- Dodos auch zur Familie der Taubenvögel gehörten?
- sich beide Taubeneltern um das Nester kümmern und beide Kropfmilch für ihre Küken produzieren?
- Tauben sehr intelligent sind und sich z.B. Gesichter von Menschen merken und Gemälde verschiedener Künstler unterscheiden können?